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Rückblick

OPUS53
                        OPUS53 

Hier wollen wir Bücher vorstellen, die wir gelesen haben und bemerkenswert bzw. für erwähnenswert halten.

 

Baricco, Alessandro: Seide.

Roman aus dem Italienischen übersetzt; Originalausgabe: 1996

Hoffmann und Campe Verlag Hamburg, 2016

ISBN 978-3-455-40560-6

 

Vom Umfang mit 142 Seiten ein kleines Büchlein, aber groß in seinem Geheimnis um Liebe und Sehnsucht und Begehren.

Der französische Seidenhändler Hervé Joncour reist Ende des 19.Jh. mehrmals nach Japan, diesem damals geheimnisvollen, immer noch verschlossenen Land am Ende der Welt um Eier von Seidenraupen nach Europa zu holen. Dabei lernt er die Sehnsucht kennen.

Der Roman ist in 65 Kapiteln unterteilt. Sie sind sehr kurz; selten erreichen sie zwei Seiten. Kurz und bündig geschrieben und doch, oder vielleicht gerade deshalb, liegt eine geheimnisvolle Aura über dem Ganzen.

Mich zog, neben der Geschichte selbst, der sprachliche Ausdruck in den Bann, der in mir eine fast meditative Stimmung erzeugte.

Ich habe die Geschichte in einem Zug durchgelesen.

- Sehr empfehlenswert -

(Wie man an den Aufklebern auf dem Buch erkennt, hatte ich es aus einer Leihbücherei - auch das ist möglich)

Man schob eine Trennwand aus Reispapier zur Seite, und Hervé Joncour trat ein. Hara Kei saß mit gekreuzten Beinen im hintersten Winkel des Raumes auf dem Boden. Er trug ein dunkles Gewand und keinen Schmuck. Das einzige sichtbare Zeichen seiner Macht: eine reglos neben ihm liegende Frau, den Kopf auf seinem Schoß, die Augen geschlossen, die Arme unter dem weiten roten Kleid verborgen, das sich auf der aschfarbenen Bastmatte wie eine Flamme ringsumher ausbreitete. Er fuhr ihr mit der Hand langsam durchs Haar. Es sah aus, als streichelte er das Fell eines kostbaren schlafenden Tieres. ...“

 

empfohlen von Frank Türke

 

 

 

Roka, Tokutomi: Natur- und Menschenleben.

Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung Mainz. 2008

190 Seiten. ISBN 978-3-87162-067-6

Erstauflage war im Jahre 1900 - ein Klassiker der modernen japanischen Literatur - .

Es handelt sich um ein Reisetagebuch in Form einer poetischen Skizzensammlung.

Von Anfang 1897 bis zum Spätsommer 1900 lebte Roka im Seebad Zushi, ca. 50 km südlich von Tokyo. Zushi ist ein Ort mit prachtvollem Weitblick über die Sagami-Bucht und das Bergland von Hakone mit dem schneebedeckten Gipfel des Fuji. Roka hielt Tag für Tag in kurzen Texten fest welche Veränderungen er im Landschaftspanorama beobachtete, im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten, von Wetter, Luft und Licht und dem Wechsel der belebten Natur.

 

Eine fast meditative Lektüre für einsame Mußestunden, die den Leser aus seiner Gegenwart entführt und ihm gleichzeitig seine Gegenwart der Jahreszeiten und Natur vor Augen führen kann.

76 Seiten Roka-Texte die auch ohne Erklärung ihre Sogwirkung entfalten; wobei der sich anschließende Teil mit Erklärungen zu allen Texten, bereichernd ist.

 

Erfrischender Abend: Die Sonne ist untergegangen. Ich sitze auf einer Mauer, lasse die Füße herunterhängen und angle. Vor mir der Fluß, in dem der Abendschein dahinfließt. Hinter mir wispert leise das grüne Schilf. ...“

 

empfohlen von Frank Türke, 2016

 

 

Heimannsberg, Joachim: Brehms Reiseleben.

Verlag Bibliographisches Institut AG, Mannheim. 2010. 288 Seiten

ISBN: 978-3-411-08390-9   19,90€

 

‚Brehms Tierleben‘ ist wie ein geflügeltes Wort; fast jeder hat davon gehört. Aber was wäre Brehms Tierleben ohne Brehms Reiseleben?

Aus Anlaß des 125. Todestages Alfred Brehms stellte Joachim Heimannsberg dieses Buch zusammen. Eine Fülle von Reiseskizzen und Tagebucheinträgen hat er ausgewählt und in eine anschauliche, unterhaltsame Darstellung der Lebensreise des großen Naturforschers eingebettet.

Neben der großen Afrikaexpedition von 1847 bis 1852 lesen wir von seinen Forschungsreisen nach Spanien, Lappland, Sibirien und an die Donau in die ungarischen Ursümpfe.

Aufschlußreich, interessant und kurzweilig sind auch die Beschreibungen von Begegnungen mit Angehörigen der   unterschiedlichsten Völker.

Mein Bild von Alfred Brehm hat durch dieses Buch einige Facetten hinzugewonnen.

 

Frank Türke, 2016

Der Literarische Katzenkalender 2016

Von Julia Bachstein

Verlag Schöffling & Co

21.95 €

 

Da ist er wieder; der Wochenkalender für Katzenfreunde. Wunderschöne schwarz/weiß-Aufnahmen erfreuen den Katzenliebhaber. Dazwischen gekonnt und passend literarische Zitate berühmter Persönlichkeiten.

Jeder, der die Eigenheit der Katzen liebt und versteht, wird Woche für Woche seine Freude haben.

„Meine Katzen haben es immer als ihre Aufgabe betrachtet, mir Gesellschaft zu leisten, meist schlafend.“ So, der am 5.Oktober 2015 verstorbene, Henning Mankell.

Oder: „Der Winter kommt, wenn die Katzen anfangen, sitzend zu schlafen.“  Ein englisches Sprichwort.

 

Auch für 2016 sind wieder einzigartig schöne Bilder und Sprüche zusammengestellt worden.

Die Spiralbindung ist fest und stabil, da hakt und hängt kein einziges Blatt beim Umschlagen.

Für jeden Katzensüchtigen – wie die Autorin- ein absolutes Must-Have!

 

Lysette Hellbach-Brehm

 

 

Ein Buch, was mich berührte:

 

Die Geschichte eines schönen Mädchens

Von Rachel Simon

Verlegt bei Rütten & Loening,  TB,  9,90Euro

ISBN 978-3352008597

 

Amerika 1968, die Witwe Martha lebt ein einsames Leben in ihrem Haus. Nur Weihnachten erhält sie Besuch von ihren ehemaligen Schülern.

 

 

Doch plötzlich stehen zwei Fremde vor ihrer Tür, Lynnie und Homan – ein tauber Afroamerikaner. Beide sind aus einer Anstalt für geistig Behinderte geflohen.

Doch die Wächter sind ihnen auf der Spur. Homan kann entkommen, doch Lynnie wird zurück in die Anstalt gebracht.  Aber sie kann ihr heimlich geborenes Kind bei der Witwe lassen, die ihr verspricht sich um den Säugling zu kümmern.

Nun beginnt eine große epische Reise, die über vierzig Jahre währt.

Lynnie hört nicht auf, ihre Tochter Julia zu suchen. Diese wird behütet von Martha, die später noch einmal heiratet  und weg zieht, groß gezogen.

Der Leser erfährt von Homans abenteuerlicher Flucht und seinem schweren Leben als Gehörloser, da er immer wieder als geistig behindert eingestuft wird.

Ob Lynnie ihre Tochter wieder findet, ob sie jemals Homan wieder sieht, und ob Julia erfahren wird, wer ihre Eltern sind, (Homan ist nicht ihr Vater.)  erfährt der Leser in diesem wunderbar anrührenden Roman.

 

Empfohlen von

Lysette

Hier gleich zwei Bücher auf einmal:

 

Robert Louis Stevenson: Das Licht der Flüsse. Aufbauverlag, 2011.

Das Buch gibt es auch vom Verlag Hohesufer.com und heißt dort „Eine Binnenlandfahrt“, was meiner Meinung nach dem Original entspricht.

 

Stevenson unternimmt eine Kanutour mit seinem Freund Simpson von Antwerpen bis zur Oise bei Paris. Start am 25.09.1876.

Die Tour mit den Kanus „Arethusa“ und „Cigarette“ fand fast ununterbrochen in Regenwetter statt, was er mit Galgenhumor hinnimmt und abwechslungsreich beschreibt.

 

 

Robert Louis Stevenson: Reise mit einem Esel durch die Cevennen. Verlag Hohesufer.com, 2009.

Die Reise fand im Oktober 1876 statt und dauerte 12 Tage. 

Es war eine Wanderung mit der Eselin Modestine durch die Cevennen, (südöstlichster Teil des französischen Zentralmassivs) von Monastier aus im Hochland nach Süden.

„Man betrachtete mich mit Geringschätzung wie einen, der eine Reise auf den Mond projektiert und mit respektvollem Interesse wie Jemand auf dem Weg zum unwirtlichen Pol.“

 

Etwas ganz anderes als Die Schatzinsel oder Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde.

Mit hintergründigem Humor beschreibt Stevenson seine Begegnungen mit Wirtsleuten und Gästen in den Herbergen und Einwohnern der Dörfer durch die er kommt. Faszinierend finde ich auch seine, oft sehr poetischen, Schilderungen von Wetter und Landschaft.

Etwas nervig waren für mich die, meiner Meinung nach, zu ausführlichen Passagen im Buch „Reise mit einem Esel durch die Cevennen“ über den Partisanenkampf der protestantischen Camisarden gegen die katholische Herrschaft in Frankreich. Aber dennoch lesenwert!

 

Beide Bücher möchte ich allen ans Herz legen.

 

„Wir alle sind Reisende in der Wildnis der  Welt;

wir alle reisen auch immer in Begleitung eines Esels;

und das Beste was uns begegnet ist ein ehrlicher Freund.“ (Stevenson)

 

Übrigens gibt es Wanderung durch die Cevennen, auf den Spuren Robert Louis Stevensons heutzutage als touristisches Angebot (auch mit Esel!).

 

Frank Türke, 2015

 

Seethaler, Robert: Ein ganzes Leben.

 

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten

Verlag: Hanser Berlin, 2014

ISBN-10: 3446246452

ISBN-13: 978-3446246454

 

Das ‚ganze Leben‘ ist das Leben Andreas Eggers auf 155 Seiten.

Andreas Egger wurde ca. 1898 in einem alpenländischen Bergdorf  geboren und wuchs beim Großbauern Kranzstocker auf, da Andreas‘ Mutter in seinem vierten Lebensjahr an Schwindsucht („Strafe Gottes für ein Lotterleben“) starb.

Er ist ein stiller, genügsamer Mann. Einer der lieber zuhört statt selbst zu reden.

Fast hätte er geheiratet. Er lernt die Wirtschaftshilfe Marie kennen. Bei ihrem ersten Treffen, nach der Kirche, faßt sie ihn am Umterarm: „Ihre Hand war rau und warm wie ein von der Sonne beschienenes Stück Holz“. Egger macht Marie auf ganz besondere Weise einen Heiratsantrag. Doch bevor er sie heiraten kann kommt Nachts die Lawine und entreißt sie ihm.

 

Als er Seilbahnarbeiter war verliert einer seiner Kollegen, der Grollerer, im Wald einen Arm. Egger und der alte Mattl fragen sich ob der Grollerer noch der Grollerer wäre, wenn ihm beide Arme fehlten und wenn beide Beine und noch mehr fehlte – ist der Grollerer dann immer noch der Grollerer? Jedenfalls begraben sie den Arm.

 

Danach kam der Krieg und er bis in den Ural und erlebte dort sechs Jahre Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr wurde er Bergführer für Touristen.

 

Ein stilles Buch über einen stillen Menschen das den Leser ruhig werden läßt, das zeigt wie groß auch ein einfaches, scheinbar ohne Höhepunkte verlaufendes Leben ist. Andreas Egger federt die Untiefen und Höhen des Lebens mit seinem Gleichmut ab.

 

Ich verspürte beim Lesen dieses Buches ein Wohlgefühl.

 

Frank Türke, 2015

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